Manöver unter Segel

Dieser Abschnitt ist nicht als "Segelkurs" gedacht und beschreibt daher auch keine Details oder gibt Begründungen, warum etwas so ist, sondern soll Dir einen Überblick verschaffen, wie die Manöver ablaufen. Es gibt außerdem für viele Aktionen eine Menge von Alternativen.

Zu den einfachsten Manövern unter Segel gehören das Anluven und Abfallen. Vergleichbar ist dieses Segelmanöver mit der Lenkung in Kurven beim Autofahren. Beim Luven bewegen Sie Ihr Segelboot geschickt in die benötigte Richtung, sodass Sie so gezielt kleine Kurskorrekturen durchführen können. Den Beginn des Luvens wird Anluven genannt, ebenso wie ein geringfügiges Luven. Das Gegenstück hierzu ist das Abfallen.

 

Möchtest du einen Kurswechsel oder eine Korrektur vornehmen, so reicht das einfache Segelmanöver zum Anluven nicht mehr aus. Nun müssen Sie mit einem anderen Segelmanöver beginnen:

Segel setzen

VOR ALLEM anderen: LUKEN DICHT ! Insbesondere die kleinen Bullaugen in der Außenwand sowie die Luken der Vorschiffkabinen müssen unbedingt beim Segeln geschlossen sein.
Zuerst wird das Großsegel gesetzt: Schiff in den Wind stellen, nicht zu viel Fahrt voraus. Großschot fieren. Spinne aufmachen, Segel mittels Großfall hochziehen. Fall durchsetzen (da hilft ein zweiter mit der Winschkurbel). Dirk lose.
Auf Kurs gehen und das Großsegel halbwegs einstellen (dicht für am Wind, fieren für Halb- und Raumwindkurse). Motor aus. Kühlschrank aus (!!!)
Dann das Vorsegel: Reffleine aufmachen. An der richtigen Schot ziehen und Segel ausrollen. Schot eventuell dichtholen.

Fertig. Manöverschluck und Segel fein einstellen.


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Die Wende

Das häufigste Segelmanöver. Dabei geht das Schiff aus einem "am Wind" Kurs mit dem Bug durch den Wind.


Kommando "Ree": der Rudergänger luvt zügig an, das Vorsegel beginnt zu killen.
Der Bug geht durch den Wind, Kommando "Genua über": die Schot wird losgeworfen und die andere Schot blitzschnell Hand über Hand dichtgeholt. Wenn der Betreffende schnell genug ist, braucht man praktisch keine Winsch. Der Rudergänger kann dabei helfen, indem er schon zurückdreht hat.
Rudergänger legt Stützruder, die Schot wird dichtgeholt.



Die Halse

Nur deswegen gefährlich, weil der Baum eine große Strecke zurücklegen muß, und wenn das unkontrolliert geschieht, kann was kaputt gehen. Also Konzentration. Bei diesem Manöver aus Raumwindkurs geht das Heck durch den Wind.

 

Vor der Halse liegt ein Raumwindkurs an, beide Segel sind weit gefiert, das Groß durch einen Bullenstander gesichert.

 

Bullenstander lösen, Großschot besetzen.

 

Rudergänger fällt vorsichtig ab bis fast vor den Wind. Genua durch Zupfen an der Schot auf die andere Seite übernehmen.

 

In einer möglichst fließenden Bewegung Großschot dichtholen, das Heck durch den Wind steuern ("rund achtern !") und Großschot wieder (kontrolliert !) fieren. Stützruder ! Bullenstander wieder setzen.


Reffen

Reffen dient der Verkleinerung der Segelfläche. Das ist beim Vorsegel kein Problem: wir rollen ein Stück ein. Das Großsegel hingegen wird verkleinert, indem es ein Stück eingerollt bzw. etwas heruntergelassen und neu befestigt wird.


Zum Reffen des Groß muß meistens einer nach vorn an den Mast. Vor Beginn der Aktion wird die Dirk dichtgeholt.
Kurs ist hoch am Wind, dabei wird aber das Groß so weit gefiert, daß kein Druck mehr im Segel ist. Bei den meisten Schiffen geht das ganz gut, wenn nicht muß der Motor mithelfen.
Sobald der Mann am Mast bereit ist, wird das Großfall gefiert, das Segel nach unten gezogen und die Reff-Kausch in den Reffhaken, der sich am Mast gleich neben dem Baum befindet, eingehängt. Großfall wieder durchsetzen. Der nach vorn gegangene Mann kann ins Cockpit zurück (oder bindet das Segeltuch ein)
Das Achterliek (hintere Segelkante) muß noch zum Baum heruntergeholt und das neue "Unterliek" gespannt werden, eventuell (muß nicht sein) auch das überschüssige Segeltuch mit eigens dafür vorgesehenen Bändseln am Baum festgebunden.
Dirk wieder fieren und auf Kurs gehen.

(Rollreffanlagden in denen da Segel in den Mast gezogen wird funktionieren etwas einfacher. Der Skipper weiß Bescheid)


Segel bergen

Zuerst wird das Vorsegel geborgen (einfach einrollen).Das Groß läßt man oft noch als Stützsegel stehen, während unter Motor weitergefahren wird. Das restliche Manöver geschieht also unter Motor.

  •  Kurs im Wind, mäßige Fahrt
  • Wie beim Reffen: Dirk dichtholen, ein Mann nach vorn.
  • Großschot etwas fieren, Großfall aufmachen und Segel herunterholen.
  • Dabei immer wieder das Segeltuch kräftig nach hinten reißen und in Falten auf den Baum legen. Von hinten nach vorn mit Bändseln oder der Spinne am Baum festbinden.

 

Wenn alles herunten ist: Großschot fieren, Dirk kräftig dichtholen (damit der Baum über Kopfhöhe kommt) und den Traveller zur Seite. Auf Kurs gehen. Da der Motor an ist: auch Kühlschrank ein.