Hafenmanöver

Allgemeines zu Hafenmanövern

 

  • Ohne Streß geht’s besser – wenn Du für eine Rolle (Tätigkeit) eingeteilt bist, frag lieber vorher nach, wenn Du Dich nicht auskennst. Im Manöver selbst ist kaum Zeit dazu.
  • Knoten sind vorläufig Nebensache – Hauptsache angebunden! Nachher wird alles richtig gemacht. Bitte aber in der Nähe bleiben und nicht schon im nächsten Gasthaus zuschauen wie der Skipper alle Knoten neu knüpft. Fender sollten auch schon von vornherein richtig befestigt sein, da ist aber auch genug Zeit dazu.
  • Vor allem Mooring und Spring sind zeitkritisch – da kann Hektik aufkommen
  • Anlegemanöver bedeuten für Skipper und Rudergänger extremen Streß.

 

Unerwünscht sind dabei:

  • Fotografierende Badegäste, die die Sicht an Bord verstellen
  • Gutgemeinte Ratschläge
  • Touristische Bemerkungen ("Schau, toller Bikini!")
  • Lautes Schreien

 

Erwünscht sind:

  • Sachdienliche Beobachtungen (Fels unter Wasser, hektisch fuchtelnder Hafenkapitän, Schwimmer im Wasser)
  • Rückmeldungen (Anker hält, Spring ist fest, Achterleinen belegt)
  • Schnelle und sichere Ausführung
  • Leinen vorbereiten:
    Ein Ende der Leine wird ÜBER (!!!) die Reling gelegt und von außen durch die Lippklampe geführt und an der Klampe belegt.
    Die Leine wird in schöne Buchten gelegt (eine Spirale, die sich leicht abspult) und zwei Drittel davon in eine Hand genommen, Die andere Hand (die Wurfhand) faßt das restliche Drittel
  • Leinen werfen:
    geworfen wird NIE der ganze Haufen, sondern nur das vorbereitete Drittel. Der Rest läuft von selbst aus der anderen Hand aus.
  • Das Schiff hat keine Bremse. Jede Bewegung muß mittels Ruder oder Motor abgefangen werden, dabei sind zwei Effekte besonders gemein:

Der Radeffekt: beim Rückwärtsfahren bekommt das Schiff zunächst NUR eine Drehung, und zwar dreht normalerweise der Bug nach Steuerbord (rechts) weg. Das ist wichtig beim Bremsen und Einparken. Erst bei höherer Geschwindigkeit kann mit dem Ruder (gegen)gesteuert werden.

 

 

Merke: Je geringer die Fahrt, desto größer der Einfluß des Windes. Bei Seitenwind wird dabei immer der Bug weggedrückt.


 Anlegen - Heck zur Mole

Erstmals nähern wir uns wieder dem Ufer und geparkten Schiffen. Daher werden die Fender ausgebracht, der Kugelfender, achtern und der Rest auf beiden Seiten des Schiffes - backbord und steuerbord) - zwei Achterleinen sind vorbereitet.
Das Manöver läuft grundsätzlich so ab wie das Ankermanöver, nur wird die Rückwärtsfahrt nicht mittels Anker, sondern knapp vor der Mole mittels Motor gestoppt. Einer springt an Land und befestigt die Achterleine irgendwie an einem Poller oder Ring. Kommando "Anker dichtholen"
Ankerwinsch festziehen, Anker einholen, soweit es geht. Die Achterleine wird inzwischen von Bord aus dichtgeholt und belegt. Eine zweite Achterleine wird ebenso wie die erste ausgebracht...


Ablegen – Heck zur Mole

So wie vorher, nur dass nach dem Starten des Motors, bevor man wegfahren kann, die Achterleinen losgemacht werden. Sobald das Schiff von den anderen Schiffen frei ist:

Fender hereinholen und verstauen. Fertig



Video - zum Abspielen anklicken

Ablegen mit Eindampfen in die Spring

Ablegen bei ablandigem Wind: kein Problem. Leinen los und Abfahrt.

 

Bei auflandigem Wind mit "Eindampfen in die Spring": Vorspring auf Slip (vom Schiff um den Poller herum und wieder zurück), ein dicker Fender an den Bug.

Motor an, alle anderen Leinen los. Sanfte Vorwärtsfahrt bei kräftiger Ruderlage zum Ufer, das Schiff dreht von der Mole weg.

Rückwärtsfahrt und Vorspring los. Fender herein.



Anlegen mit Anker und Heck zur Mole

Dieses Anlegemanöver wird auf Grund der fehlenden Moorins hauptsächlich in Griechenland durchgeführt.

 

Erstmals nähern wir uns wieder dem Ufer und geparkten Schiffen. Daher werden die Fender ausgebracht (und zwar der Dicke achtern, die Restlichen an beiden Seiten des Schiffes).


Das Manöver läuft grundsätzlich so ab wie das Ankermanöver, also rechtwinkelig zum Liegeplatzt aufschießen, "Anker fallen" und mittels Motorkraft zum Liegeplatz. Die Rückwärtsfahrt nicht mittels Anker, sondern knapp vor der Mole mittels Motor aufstoppen. Ein Crewmitglied springt an Land und befestigt die Achterleine an einem Poller oder Ring. Es folgt - Kommando "Anker dichtholen". Dazu die Ankerwinsch festziehen und den  Anker einholen soweit es geht.

Die Achterleine wird inzwischen von Bord aus dichtgeholt und belegt. Eine zweite Achterleine wird ebenso wie die erste ausgebracht.


Anlegen mit Mooring

Dieses Manöver läuft grundsätzlich ab wie das Anlegen mit Heck zur Mole, aber es gibt dabei keinen Anker. Statt dessen wird ein fix im Hafenbecken verankerter Betonblock verwendet, der mittels einer langen Leine (Mooring) mit dem Ufer verbunden ist

 

Fender ausbringen (wie oben)
Eine Deckshand schnappt sich den Bootshaken und Arbeitshandschuhe, die Achterleinen werden bereitgemacht.

 

Einparken in Rückwärtsfahrt, stop bevor es kracht – und jetzt muß es schnell gehen ! Mit dem Bootshaken wird die Mooring gefischt, den Bootshaken weglegen und mit der Mooring zum Bug laufen. Die Mooring dichtholen und belegen. Dabei ist die Richtung wichtig, in der gezogen wird: da die Mooring den Anker ersetzt, muß sie zum WASSER hin straff gezogen werden.


Inzwischen Ausbringen der Achterleinen wie gehabt. Besonders bei Seitenwind ist dieses Manöver das hektischste von allen, da der Bug sehr schnell vom Wind weggedreht wird, bevor er mit der Mooring fixiert werden kann.

Der Skipper kennt noch weitere Anlegemanöver mit Mooring die bei Windeinfall von der Seite gefahren werden können.


Anlegen längsseits

  • Die Fender werden diesmal nur an einer Seite ausgebracht, eine Deckshand behält sich einen Fender in Bereitschaft ("Prellfender"), um ihn im Bedarfsfall zwischen Schiff und Mole halten zu können. Bitte keine Körperteile dafür verwenden, das Schiff hat immerhin ca. 10 Tonnen
  • Nach Variante des Manövers. Von all den (windabhängigen) Varianten wird nun (wie beim Ablegen) das Manöver mit der Spring besprochen
  • Die Vorspring ist am Bug belegt, klar zum Werfen. Der Rudergänger steuert das Schiff ans Land heran. Ein Crewmitglied ("Springer") springt an Land
  • Die Vorspring wird geworfen (oder beim Springen mitgenommen) und möglichst rasch um einen Poller nahe dem Heck gelegt. Dabei ist es wichtig, daß die Spring bereits unter Zug steht – zweimal um den Poller wickeln und festhalten (oder mit irgendeinem Knoten anbinden
  • Sobald die Spring fest ist: Ruder weg vom Ufer und gefühlvoll Schub vorwärts in die Spring hinein
  • Das Schiff liegt nun stabil am Ufer, die restlichen Leinen können ausgebracht werden, ordentliche Knoten gemacht, u.s.w.

Motor abstellen

Den Motor stellt man NICHT wie beim Auto einfach durch Drehen des Zündschlüssels ab, sondern indem mittels Seilzug oder Spezialknopf die Dieselförderung unterbrochen wird.

Erst wenn der Motor aus ist und deswegen ein lauter Pieps ertönt, wird auch der Startschlüssel umgedreht bzw. abgezogen.